Kurz und einfach erklärt
Viele Online-Shops wechseln Seiten, ohne sie neu zu laden. Das nennt man Soft Navigation. Google misst diese Wechsel jetzt in einer neuen Statistik.
Die neuen Werte sind noch ein Test. Ab Mai 2027 soll die Search Console sie nutzen. Die Search Console ist ein Werkzeug von Google für Website-Betreiber.
Die meisten Websites merken davon wenig. Shops mit vielen Wechseln ohne Neuladen sehen andere Werte. Oft sehen die Werte dann besser aus. Die Seite ist dadurch aber nicht schneller.
Prüfen Sie jetzt die alten und die neuen Werte. Messen Sie langsame Wechsel im Shop selbst. Wir helfen Ihnen gern dabei.
Seit dem CrUX-Release vom Oktober 2026 enthält der Chrome UX Report eine zweite Lesart der Core Web Vitals (web.dev). Neben LCP, INP und CLS stehen experimentelle Varianten, die auch Soft Navigations einrechnen: Seitenwechsel, bei denen eine Single-Page-App Inhalt und Adresse per JavaScript austauscht, statt ein neues HTML-Dokument zu laden. Für die meisten Websites ändert sich dadurch wenig. Für Headless-Shops, App-artige Kundenportale und Produktkonfiguratoren kann der Unterschied dagegen groß ausfallen, und er bekommt einen Termin: Chrome will die Experimentphase im Mai 2027 abschließen, danach stellt die Search Console auf die neuen Daten um (web.dev). Dieser Beitrag setzt unsere Anleitung zum Messen von Soft Navigations fort, die im Juli noch festhalten musste, dass die Darstellung in CrUX offen ist. Jetzt liegen die Daten vor. Sie erfahren, welche Shops betroffen sind, wie sich LCP, INP und CLS verschieben, wie Sie stabile und experimentelle Werte Ihrer Domain vergleichen und was bis zur Umstellung zu tun ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem Release vom Oktober 2026 veröffentlicht CrUX experimentelle Varianten von LCP, INP und CLS, die Soft Navigations einrechnen (web.dev). Die stabilen Core-Web-Vitals-Werte und die Search Console bleiben vorerst unverändert.
- Rund 70 Prozent der Origins haben kaum weiche Seitenaufrufe, weniger als 5 Prozent (web.dev). Betroffen sind vor allem Headless-Shops und Portale, die Seiten per JavaScript wechseln, statt sie neu zu laden.
- Mit Soft Navigations steigt der Anteil der Origins mit guten Core Web Vitals von 55,9 auf 59,5 Prozent (CrUX-Release-Notes). Bei Android-Origins mit 75 bis 100 Prozent weichen Aufrufen springt gutes LCP von 26 auf 87 Prozent (web.dev).
- Den eigenen Abstand zeigt die CrUX API: dieselbe Origin und denselben Gerätetyp mit largest_contentful_paint und mit experimental_largest_contentful_paint_with_softnavs abfragen und das Ergebnis mit Datum festhalten.
- Chrome peilt den Abschluss der Experimentphase für Mai 2027 an, danach stellt die Search Console um (web.dev). Bis dahin Routenwechsel im eigenen Monitoring messen und lange Aufgaben beim Seitenwechsel abbauen.
Was CrUX seit Oktober 2026 zusätzlich zeigt
Auslöser ist der Start der Soft-Navigations-Schnittstelle in Chrome 151 (web.dev). Chrome erkennt eine Soft Navigation, wenn drei Merkmale zusammenkommen: Eine Nutzeraktion löst den Wechsel aus, die Adresse ändert sich sichtbar, und auf der Seite wird sichtbar neu gezeichnet (Chrome for Developers). Bisher erfasste CrUX in einer Single-Page-App nur den ersten, harten Seitenaufruf. Alle späteren Klicks liefen als Teil dieser ersten Seite mit, samt ihrer Interaktionen und Layoutverschiebungen. Ein Kunde, der mehrere Produkte ansieht, ging also mit einem einzigen Seitenaufruf in die Statistik ein, und die langsamste Interaktion der ganzen Sitzung landete bei der Einstiegsseite.
Neu sind drei experimentelle Kennzahlen, die harte und weiche Navigationen gemeinsam auswerten. Sie tragen bewusst den Zusatz experimentell, damit klar ist, dass sich ihre Definition noch ändern kann:
-
experimental_largest_contentful_paint_with_softnavsmisst den LCP über volle Seitenaufrufe und Soft Navigations hinweg. -
experimental_interaction_to_next_paint_with_softnavsbewertet die Reaktionszeit je Ansicht, statt jede Interaktion einer Sitzung dem Einstiegsaufruf zuzuschlagen. -
experimental_cumulative_layout_shift_with_softnavsbewertet Layoutverschiebungen je Ansicht und Adresse statt über die ganze Sitzung.
Wichtig für die Einordnung: Die stabilen Core-Web-Vitals-Werte bleiben unverändert, die experimentellen werden parallel dazu erprobt. Auch die Search Console zeigt bis zur Umstellung die bisherigen Werte, und die meisten Werkzeuge berichten die Core Web Vitals noch ohne die neuen Soft-Navigation-Kennzahlen (web.dev). Für das nächste CrUX-Release im November stellt Chrome weitere experimentelle Kennzahlen in Aussicht, für First Contentful Paint und für die Navigationstypen (web.dev). Wer jetzt einen Bericht für die Geschäftsführung baut, sollte deshalb wissen, welche Lesart welches Werkzeug gerade zeigt.
Abgrenzung
Wer betroffen ist: Headless-Shops, nicht der Firmenblog
Die meisten Websites laden bei jedem Klick ein neues HTML-Dokument vom Server. Für sie bleibt fast alles beim Alten. Über alle Origins im CrUX-Datensatz haben rund 70 Prozent kaum Soft-Navigation-Verkehr, bei ihnen sind weniger als 5 Prozent der Seitenaufrufe weich (web.dev). Nur etwa 7 bis 11 Prozent der Origins nutzen Soft Navigations für mehr als die Hälfte ihrer Seitenaufrufe (web.dev). Ein Unternehmensauftritt mit Blog und Kontaktformular wird in den experimentellen Werten deshalb in der Regel dieselben Zahlen zeigen wie bisher.
Anders sieht es bei großen Angeboten aus. Unter den 1.000 meistbesuchten Websites stützen sich 35 Prozent auf Android und 42 Prozent auf dem Desktop bei mehr als der Hälfte ihrer Seitenaufrufe auf Soft Navigations (web.dev). Die Veränderungen konzentrieren sich auf Websites, die als Single-Page-App gebaut sind und viele Folgeklicks haben. Genau dieses Muster findet sich in modernen Shops: Wer von der Kategorie zum Produkt, weiter zum Warenkorb und wieder zurück klickt, erzeugt in einer Sitzung viele Folgenavigationen.
Klassische Storefront oder Headless
Für Shopware-Shops entscheidet die Bauart. Die klassische Storefront rendert Seiten serverseitig mit Twig-Vorlagen; der Browser ruft die Store API dabei nicht selbst auf, das erledigen die Controller des Shops (Shopware-Dokumentation). Jeder Wechsel zwischen Kategorie und Produkt ist dort ein vollständiger Seitenaufruf, und solche Shops sehen in den experimentellen Werten wenig Bewegung. Anders bei Headless-Projekten: Shopware Frontends ist der Baukasten für eigenständige Storefronts, die Demo-Umsetzung basiert auf Vue.js und Nuxt und holt die Daten zur Laufzeit über die Store API (Shopware-Dokumentation). Ein solches Frontend wechselt Seiten über seinen eigenen Router, und solche Wechsel erfasst Chrome als Soft Navigations, sobald die drei Merkmale erfüllt sind.
Eine Grauzone liegt im Produktlisting. Auch die klassische Storefront schreibt die Filterauswahl beim Klick per history.pushState in die Adresse und lädt die Produktliste im Hintergrund nach (Shopware-Quellcode). Damit können alle drei Merkmale einer Soft Navigation erfüllt sein: Nutzeraktion, sichtbare Adressänderung, sichtbarer Neuaufbau. Ob Chrome einen Filterklick tatsächlich als Navigation wertet, hängt an seiner Heuristik. Prüfen lässt sich das im Performance-Panel der DevTools, das Soft Navigations in der Live-Ansicht und im Trace markiert (Chrome for Developers). Für Shopware-Projekte gehört diese Prüfung bei uns zur Shopware-Performance-Optimierung.
Dazu kommt eine Besonderheit der CrUX-Daten: Abfrageparameter wie ?utm_medium=email entfernt CrUX aus der Adresse, damit alle Aufrufe einer Seite zusammengefasst werden (CrUX-Dokumentation). Werden Filterklicks als Soft Navigation erfasst, fließen sie damit voraussichtlich in die Werte der Kategorie-URL ohne Parameter ein. Die Kategorieseite trägt dann nicht nur die Erfahrung des ersten Aufrufs, sondern auch die der Filterwechsel. Diese Anzeichen sprechen für einen hohen Anteil weicher Seitenwechsel:
- Beim Klick auf ein Produkt bleibt der Kopfbereich stehen, nur der Inhalt wechselt, und die Ladeanzeige des Browsers bewegt sich nicht.
- Der Shop läuft als Headless-Frontend mit eigenem Router, etwa auf Basis von Shopware Frontends.
- Warenkorb, Merkliste oder Kundenkonto öffnen sich unter einer eigenen Adresse, ohne dass die Seite neu lädt.
- Filter, Sortierung und Paginierung ändern die Adresse per History API.
- Im Performance-Panel der DevTools erscheinen auf einem Klickpfad durch den Shop Markierungen für Soft Navigations.
Was sich je Kennzahl verschiebt
Über den gesamten Datensatz ist der Effekt klein, aber messbar. Der CrUX-Datensatz für September 2026 umfasst rund 18,4 Millionen Origins (CrUX-Release-Notes). Davon erreichten 55,9 Prozent gute Core Web Vitals (CrUX-Release-Notes). Mit Soft Navigations wären es 59,5 Prozent (CrUX-Release-Notes). Die Tabelle zeigt die einzelnen Kennzahlen aus demselben Release.
| Kennzahl (Quelle: CrUX-Release-Notes, Datensatz September 2026) | Origins mit guten Werten, stabile Messung | Origins mit guten Werten, mit Soft Navigations |
|---|---|---|
| LCP | 68,3 % | 72,1 % |
| INP | 85,4 % | 87,4 % |
| CLS | 81,7 % | 85,1 % |
| Alle drei Core Web Vitals | 55,9 % | 59,5 % |
Diese Durchschnittswerte verdecken, wo die Bewegung stattfindet. Laut Chrome sehen die experimentellen Werte für die große Mehrheit der Websites gleich oder nahezu gleich aus, bei Single-Page-Apps verbessern sie sich oder bleiben stabil, je nachdem, wie oft Besucher innerhalb der Website navigieren (web.dev). Deutliche Sprünge gibt es bei der kleinen Gruppe mit überwiegend weichen Seitenaufrufen. Die drei Kennzahlen reagieren dabei unterschiedlich.
LCP: Folgeansichten nutzen Geladenes
Klicken Besucher durch viele Folgeansichten, verbessert sich der LCP, weil weiche Navigationen Code und Dateien wiederverwenden, die beim ersten Aufruf schon geladen wurden. Bei Android-Origins mit 75 bis 100 Prozent Soft Navigations steigt der Anteil mit gutem LCP von 26 auf 87 Prozent (web.dev). Chrome betont ausdrücklich, dass SPAs dadurch nicht insgesamt schneller sind als klassische Websites: Folgeklicks sind auf jeder Website schneller, und SPAs mit vielen Folgeklicks rücken damit an klassische Websites mit vielen Folgeklicks heran (web.dev).
Für die Fehlersuche ändert sich das LCP-Element. Die Soft-Navigation-Messung berücksichtigt nur neu gezeichnete Inhalte: Bleibt ein großes Bild zwischen zwei Ansichten stehen und wechselt nur der Text darunter, wird bei der weichen Navigation der Text zum LCP-Element (Chrome for Developers). Ein Kopfbild oder Banner, das beim Direkteinstieg das LCP-Element ist, scheidet nach einem Klick innerhalb des Shops also aus, wenn es stehen bleibt. Wie sich der LCP in seine Phasen zerlegen lässt, zeigt der Beitrag zur LCP-Subpart-Analyse.
INP: je Ansicht statt je Sitzung
Beim INP ändert sich die Logik der Messung am deutlichsten. Bisher zählte die langsamste Interaktion der gesamten Sitzung, jetzt wird die Reaktionszeit je Seitenaufruf gemessen. Für Websites mit überwiegend weichen Navigationen verdoppelt sich dadurch die Bestehensquote auf Android ungefähr (web.dev). Entwarnung ist das trotzdem nicht: Auch mit diesem Effekt liegen Websites mit vielen Soft Navigations beim guten INP hinter klassischen Websites zurück, und viel JavaScript-Arbeit auf dem Hauptthread beim Routenwechsel kann weiter INP-Probleme verursachen (web.dev).
Für Shops heißt das: Der Klick auf „In den Warenkorb“, das Öffnen des Mini-Warenkorbs oder der Wechsel zur nächsten Produktseite werden der Ansicht zugeordnet, in der sie passieren. Langsame Übergänge lassen sich so einer Route zuordnen, statt im Sitzungswert unterzugehen. Ansätze dafür beschreiben die Beiträge INP optimieren und Lange Tasks aufteilen mit scheduler.yield.
CLS: Verschiebungen je Ansicht
Auch der CLS verbessert sich in der Regel, weil Layoutverschiebungen nicht mehr über eine lange Sitzung angesammelt, sondern je Ansicht bewertet werden. Websites mit vielen Soft Navigations liegen damit auf dem Desktop gleichauf mit klassischen Websites und auf Android fast gleichauf (web.dev). Bleibt der CLS einer Route trotzdem schlecht, liegt die Ursache in dieser Ansicht selbst: nachladende Bewertungen, Banner ohne reservierte Fläche oder Bilder ohne Maße. Hilfe dazu bietet der Beitrag Cumulative Layout Shift vermeiden.
Bessere Zahl, gleiche Seite
Eigene Werte vergleichen: stabil gegen experimentell
Die experimentellen Kennzahlen stehen ab dem Release vom Oktober 2026 im BigQuery-Datensatz von CrUX, in der CrUX API und in der CrUX History API bereit (web.dev). Am schnellsten sieht man den Unterschied in CrUX Vis, das für jede Adresse und Origin im Datensatz die neuen Werte anzeigt. Für einen dokumentierten Vergleich, den Sie später wiederholen können, lohnt sich der Weg über die API.
Die CrUX API liefert einen gleitenden Durchschnitt über 28 Tage (CrUX-Dokumentation) und wird täglich gegen 04:00 Uhr UTC aktualisiert (CrUX-Dokumentation). Fragen Sie für dieselbe Origin und denselben Gerätetyp beide Varianten in einer Anfrage ab:
curl -s -X POST \
'https://chromeuxreport.googleapis.com/v1/records:queryRecord?key=API_KEY' \
-H 'Content-Type: application/json' \
-d '{
"origin": "https://www.ihr-shop.example",
"formFactor": "PHONE",
"metrics": [
"largest_contentful_paint",
"experimental_largest_contentful_paint_with_softnavs",
"interaction_to_next_paint",
"experimental_interaction_to_next_paint_with_softnavs",
"cumulative_layout_shift",
"experimental_cumulative_layout_shift_with_softnavs"
]
}'Die Antwort enthält je Kennzahl ein Histogramm und den Wert am 75. Perzentil. Vergleichen Sie beide Werte je Kennzahl und notieren Sie den Erhebungszeitraum aus dem Feld collectionPeriod. Danach wiederholen Sie die Abfrage mit DESKTOP und für die wichtigsten Seitentypen auf Adressebene: Startseite, eine stark besuchte Kategorie, eine typische Produktseite. Welche Vorlagen dabei den Ausschlag geben, beschreibt der Beitrag Vorlage statt Startseite.
Auf Adressebene kommt ein Effekt hinzu, der für Shops wichtig ist: In der CrUX API werden die Werte einer Soft Navigation unter der Adresse geführt, zu der navigiert wurde, nicht unter der Einstiegsseite, sofern die üblichen Eignungskriterien erfüllt sind (web.dev). Produktseiten, die bisher fast nur per Klick aus der Kategorie erreicht wurden, können dadurch erstmals eigene Daten bekommen. Umgekehrt verliert die Einstiegsseite Interaktionen und Verschiebungen, die eigentlich zu späteren Ansichten gehörten.
Verlauf und Monatsdaten
Die History API wird jeden Montag aktualisiert und umfasst die vorangegangenen 40 Wochen, je Woche ein Erhebungszeitraum (CrUX-Dokumentation). Wie weit die experimentellen Reihen dort zurückreichen, zeigt die Antwort selbst: Zeiträume ohne geeignete Daten stehen als NaN beziehungsweise null in der Zeitreihe (CrUX-Dokumentation). Wer jetzt mit der Beobachtung beginnt, hat bis zur geplanten Umstellung mehrere Monate Verlauf und kann echte Trends von einzelnen Ausreißern trennen.
Für Auswertungen über viele Domains oder Länder bietet sich BigQuery an. Der Datensatz erscheint monatlich am zweiten Dienstag des Folgemonats (CrUX-Dokumentation), die neuen Spalten liegen im Bereich experimental als largest_contentful_paint_with_softnavs, interaction_to_next_paint_with_softnavs und cumulative_layout_shift_with_softnavs. Chrome rechnet ausdrücklich mit Verschiebungen von Monat zu Monat, solange die Messung verfeinert wird (web.dev). Ein einzelner Monatswert ist darum ein Zwischenstand, kein Urteil. So gehen Sie beim Vergleich vor:
- Origin-Werte für Mobilgeräte abrufen, stabile und experimentelle Kennzahl nebeneinander.
- Dieselbe Abfrage für Desktop wiederholen.
- Die wichtigsten Seitentypen auf Adressebene abfragen und prüfen, welche Adressen neu Daten erhalten.
- Den Abstand je Kennzahl als Basiswert mit Erhebungszeitraum dokumentieren.
- Monatlich nachmessen und Änderungen der Messart von echten Verbesserungen trennen.
Was die Umstellung für die Search Console bedeutet
Der Core-Web-Vitals-Bericht der Search Console bezieht seine Daten aus CrUX. Er fasst ähnliche Adressen zu Gruppen zusammen und zeigt je Gruppe den Wert, den 75 Prozent der Seitenaufrufe der letzten 28 Tage erreicht oder unterschritten haben (Search Console-Hilfe). Sobald die experimentellen Kennzahlen den Status experimentell verlieren, stellt die Search Console auf die neuen Daten um (web.dev). Für die meisten Websites wird man den Wechsel kaum bemerken.
Für SPA-Shops kann sich der Bericht dagegen spürbar verändern. Gruppen, die heute wegen eines schlechten INP auffallen, können nach der Umstellung besser dastehen, wenn der schlechte Wert aus Interaktionen späterer Ansichten stammte. Umgekehrt können neue Adressen im Bericht auftauchen, weil Soft Navigations unter der Zieladresse gezählt werden. Eine Gruppe erscheint nur, wenn genug Daten für LCP und CLS vorliegen (Search Console-Hilfe); auch das kann sich mit der neuen Zuordnung ändern.
Offen ist, wie Google laufende Validierungen und die Verlaufskurven beim Wechsel behandelt; die bisherigen Ankündigungen sagen dazu nichts. Eine Validierung beobachtet 28 Tage lang, ob ein Problem bei einer Adresse noch auftritt (Search Console-Hilfe). Wer im Frühjahr 2027 Korrekturen ausrollt, plant die Validierung so, dass ihre Ergebnisse vor der Umstellung vorliegen, und vermerkt das Datum des Wechsels im eigenen Protokoll. Wie Sie Gruppen, Beispiel-URLs und Status lesen, beschreibt der Beitrag Core-Web-Vitals-Bericht in der Search Console richtig lesen.
Die Regel bis zur Umstellung
Fahrplan bis Mai 2027
Chrome peilt den Abschluss der Experimentphase für Mai 2027 an, ausdrücklich abhängig von Rückmeldungen (web.dev). Der Termin kann sich also verschieben. Für die Planung reicht er trotzdem, denn die Arbeit lässt sich in drei Abschnitte gliedern, die auch bei einer späteren Umstellung in dieser Reihenfolge sinnvoll bleiben.
Bis Ende 2026: Basiswert erheben
Fragen Sie stabile und experimentelle Werte für die Origin, beide Gerätetypen und die wichtigsten Seitentypen ab und halten Sie sie fest. Mit dem Release im November sollen FCP und die Navigationstypen als experimentelle Kennzahlen dazukommen (web.dev). Ergibt der Vergleich kaum Unterschiede, ist Ihr Shop wahrscheinlich klassisch aufgebaut. Dann genügt eine Kontrolle pro Quartal, und die Arbeit konzentriert sich auf die bekannten Hebel aus Server, Bildern und Skripten.
Bis zum Frühjahr 2027: Routen im eigenen Monitoring messen
CrUX zeigt, dass sich etwas verschiebt, aber nicht, an welcher Route. Dafür braucht es Real User Monitoring mit Soft-Navigation-Unterstützung. Die JavaScript-Bibliothek web-vitals unterstützt Soft Navigations ab Version 6.0.0 (Chrome for Developers). Chrome empfiehlt, den Navigationstyp mitzuschicken, damit sich LCP, INP und CLS getrennt nach weichen und harten Navigationen auswerten lassen. Für eine Übergangszeit lohnt die doppelte Messung: einmal nach bisheriger Lesart, einmal je Soft Navigation. So bleiben Verlauf und Vergleich mit anderen Browsern erhalten (Chrome for Developers).
Dabei gilt eine Grenze: Andere Browser-Engines als Chromium unterstützen die neuen Schnittstellen noch nicht, dort lassen sich Core Web Vitals nur über volle Seitenaufrufe messen (web.dev). Besucher mit Safari auf dem iPhone bleiben also in der bisherigen Lesart. Welche Messdaten Sie ohne Einwilligung erheben dürfen, klärt der Beitrag zur Performance-Messung ohne Einwilligung.
Bis Mai 2027: Übergänge beheben
Mit den Routendaten wird sichtbar, welche Übergänge langsam sind. Typische Kandidaten im Shop sind der Wechsel von der Kategorie zum Produkt, das Öffnen des Warenkorbs und der Schritt in den Checkout. Die folgende Übersicht zeigt, wo wir in SPA-Shops ansetzen.
Lange Aufgaben beim Routenwechsel
Router, Datenabruf und Neuaufbau laufen oft in einem Block auf dem Hauptthread. In kleinere Schritte aufgeteilt, reagiert die Seite schneller auf den nächsten Klick, und der INP der Ansicht sinkt.
Hauptbild der neuen Ansicht
Bei einer weichen Navigation zählt das neu gezeichnete größte Element. Lädt das Produktbild erst nach dem Datenabruf, verzögert es den LCP der Ansicht. Früh anfordern und in passender Größe ausliefern hilft.
Platzhalter mit festen Maßen
Platzhalterflächen, die kleiner sind als der spätere Inhalt, erzeugen Verschiebungen in jeder Ansicht. Reservierte Höhen für Preisbox, Bewertungen und Empfehlungen halten den CLS je Route niedrig.
Filter und Paginierung
Ändern Filter die Adresse per History API, können sie als Soft Navigation zählen. Schnelle Antworten der Store API und ein Neuaufbau ohne Sprung entscheiden dann über alle drei Kennzahlen.
Zwei Punkte helfen zusätzlich. Ein schneller erster Aufruf bleibt Pflicht, denn der harte Einstieg zählt weiterhin mit; Hinweise dazu bietet der Beitrag zu Server-Side Rendering und Hydration. Und Übergänge zwischen Ansichten lassen sich mit der View Transitions API ruhiger gestalten, wenn feste Flächen und kurze Animationen zusammenpassen.
Wie wir SPA-Shops auf die Umstellung vorbereiten
Für Headless-Shops und App-artige Portale beginnt die Vorbereitung mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wie groß ist der Anteil weicher Seitenwechsel, und welche Kennzahl verschiebt sich wie stark? In unserer Performance-Analyse vergleichen wir stabile und experimentelle CrUX-Werte je Gerätetyp und Seitentyp und ordnen die Abstände Ihren Vorlagen zu. Wo CrUX nicht reicht, richten wir die Routenmessung im eigenen Monitoring ein, mit getrennter Auswertung für Chromium und andere Browser.
Danach geht es an die Ursachen. Für gute Core Web Vitals in Single-Page-Apps sind das vor allem lange Aufgaben beim Routenwechsel, späte Hauptbilder und Platzhalter ohne feste Maße. Für Anwendungen mit Login und Dashboard gelten die Ansätze unserer Seite PageSpeed für SaaS-Anwendungen, für Shopware-Shops kommen Store API und Caching dazu. Ziel ist, dass Ihre Werte zum Zeitpunkt der Umstellung aus echten Verbesserungen kommen und nicht nur aus der neuen Messart.
Quellen und Dokumentation
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